Santiago de Compostela

Santiago de Compostela liegt in der spanischen Provinz A Coruna. Sie ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Galicien. Die Stadt zählt 94.000 Einwohner. Sie ist Universitätsstädt mit etwa 45.000 Studenten. Santiago heißt übersetzt: Sankt Jakob. Santiago ist die drittwichtigste Pilgerstätte der Christen. Davor rangieren lediglich Rom und Jerusalem.

Jakobsweg am Ziel

Wie präsentiert sich Santiago de Compostela den Pilgern? Wie erleben sie das Ziel ihres Jakobsweges? Zum ersten mal sehen sie die Türme der Kathedralde von Santiago vom Monte del Gozo aus, dem Berg der Freude. Von hier aus sind es nur noch ein paar Stunden bis ans lang ersehnte Ziel. Der Praza do Obradoiro, der Platz vor der Kathedrale empfängt denn die Jakobspilger. Dort ist auf einer Steinplatte zu lesen, dass der Jakobsweg vom Europarat zum ersten europäischen Kulturweg ernannt worden ist. Und das merkt man auch an dem Stimmengewirr, in dem man viele unterschiedliche Sprachen heraushören kann. Man merkt: hier ist Europa, hier trifft sich die Welt. Und man trifft viele Pilger, denen man bereits auf seinem Jakobsweg begegnet ist.

Die Kathedrale Santiago de Compostela

Die meisten Pilger verharren erst einmal auf dem Platz und lassen die Szenerie auf sich wirken: die gemischten Kulturen, die mächtige Fassade der Kathedrale. In der Hauptsaison wird zudem die Zeit, die man vor der Kathedrale verbringen muss, etwas länger sein. Denn man muss stundenlang anstehen, ehe man in die Kathedrale zum Grab des heiligen Jakobus gelangen kann. Und dann steht man vor dem Hauptaltar der Kahtedrale mit der Jakobsfigur oben auf. Jeder Pilger umarmt diese Statue des Heiligen Apostel Jakobus, sagt ihr Dank und flüstert ihr seine Wünsche und Bitten zu. Nun ist man angekommen! Dann gehen die Pilger ins Pilgerbüro, das der Kathedrale gegenüber liegt. Dort holen sie sich ihre Compostela ab, die Pilgerurkunde. Um 12.00 findet dann jeden Tag die Pilgermesse statt.

Heiliges Jahr

Unvorstellbar ist die Pracht, wenn man am 25. Juli in Santiago ankommt. Dies ist der Tag des Apostels Jakobus. Fällt dieser gar auf einen Sonntag, so wird das ganze Jahr als Heiliges Jahr gefeiert. Das nächste Jakobsjahr ist 2021.

Altstadt

Santiago wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. In Santiago findet man eine Vielzahl von sakralen Bauwerken. Die Praza do Obradoiro wird eingerahmt vom Palacio Gelmirez, dem bischöflichen Palast, dem Kolleg San Jeronimo und dem Stammhaus Palacio de Rajoy, und das in unnmittelbarer Nachbarschaft zur Kathedrale, zum Hospital Real, dem früheren königlichen Krankenhaus auch unter dem Namen Hostal de los Reyes Catolico bekannt, das heute ein Hotel beherbergt.
Wenn man nicht auf das Geld schauen muss, so wählt man vielleicht das Hostal de los Reyes Catolicos an der Praza Obradoiro als Unterkunft. Dieses heutige Luxushotel wurde im Jahr 1499 von Ferdinand II von Aragonien und Isabella I von Katilien als königliches Spital gegründet. Dort wurden die Pilger untergebracht, die zuvor vor den Toren oder in der Kathedrale nächtigen mussten.
Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Praza da Quintana hinter der Kathedrale mit dem Torre del Reloj, em Uhrenturm. Er heißt auch Torre de la Trinidad, Turm der Dreifaltigkeit. Er entstand Ende des 14. Jahrhunderts, wurde dann im 17. Jahrhundert im Stil des Barock verziert. Berühmt ist seine Glocke, La Berenguela.
Hinter der Kathedrale, im Süden, taucht man in die Altstadt Santiagos ein. So kann man etwa durch die Rua do Franco, die Frankengasse, oder die Rua do Vilar, schlendern. Hier findet man unter den Arkandengänge hübsche Tabernas. Bekannt ist die Entreterruas, eine Gasse, die so schmal ist, das zwei Personen nebeneinander kaum durch kommen.
Im Osten liegen die Universität, aber auch die alten Markthallen, in denen die Bauern ländliche Spezialitäten an den Mann bringen.
Sehenswert ist das Museo do Pobo Galego im ehemaligen Kloster Santo Domingo de Bonaval, das Museum des Galicischen Volkes sowie das Centro Galego de Arte Contemporanea, dass Galicische Zentrum für Zeitgenössische Kunst, kurz CGAC genannt. Von den Klostergärten Santo Domingo de Bonaval, einem ehemaligen Friedhof, heute parkähnlich angelegt, hat man einen schönen Blick auf die Kathedrale.
Als Pilger besucht man selbstverständlich auch das Museo das Peregrinacions, das Pilgermuseum an der Praza de San Miguel. Unter gotischem Dach bekommt man die Geschichte der Pilgerei in anschaulicher Form vermittelt.
Das Kloster San Martin Pinario ist das zweitgrößte Sakralgebäude in Santiago. Es liegt gegenüber dem Nordportal der Kathedrale an der Praza da Azabacheria, auch Praza da Inmaculada genannt. Es ist ein Barockgebäude und seine Hauptfassade besticht durch das von toskanischen Säulen eingefasste Portal mit einer Freitreppe. Sie wurde im Jahr 1751 von Bruder Manuel de los Mártires errichtet. Über dem Portal erkennt man eine Statue des heiligen Benedikt von Nursia. Darüber, am höchsten Punkt der Fassade, teilt der heilige Martin seinen Mantel mit einem Bettler.
Ebenfalls an der Praza da Inmaculada gelegen ist das Convento de San Francisco. Man erzählt, der heilige Fanziskus von Assisi selbst habe es gegründet. Nach einer Legende soll er in den Jahren 1213 bis 1215 sich auf einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela befunden haben. Dort soll Gott ihm offenbart haben, von den Mönchen des Klosters San Martin Pinario Land zu erwerben, und zwar für den Preis von einem Korb voller Fische. Von dem Geld, das der ihn beherbergende Kohlenhändler Cotolay in einem Brunnen finden würde, solle er dann ein Kloster errichten lassen. Leider ist von dem ursprünglichen Klostergebäude nicht viel übrig geblieben. Man sieht nur noch Bögen und etwas vom Kapitularsaal. Das jetzige Bauwerk wurde im 17. und 18. Jahrhundert errichtet. Heute wird dort ein Hotel betrieben. Vor der Klosterkirche findet man aber immer noch die Statue des Heiligen Franziskus aus dem Jahr 1930. Im Kloster ist nun auch das Museum des Heiligen Landes untergebracht.
Anschauenswert ist der Palacio de Rajoy. Er befindet sich an der Stelle des mittelalterlichen Gefängnisses im Westen der Kathedrale und wurde im 18. Jahrhundert von Erzbischof Bartolomé de Rajoy y Losada im neoklassizistischem Stil erbaut. Es diente als Priesterseminar, als Rathaus und gab Musikern des Chores Unterkunft. Wenn man den Dreiecksgiebel betrachtet, so sieht man dort eine Szene aus der Schlacht von Clavijo. Diese Schlacht gab es wohl nur in der Legende. Santiago half dort den christlichen Soldaten des Königs Ramiro I im Kampf gegen die Mauren und führte sie zum Sieg. Über dem Giebel sieht man den Heiligen als Santiago ecuestre, als Reiter bzw. Matamoros, Maurentöter.
Nicht versäumen sollte man, sich die Casa do Cabildo ansehen. Es ist das Haus des Domkapitels mit einer Fassade im Stil des Barock aus dem Jahr 1758. Sie sollte die Praza das Platerias verschönern.
Nach Resten der mittelalterlichen Stadtmauer sucht man in Santiago de Compostela beinahe vergebens. Der Arco de Mazarelos ist das einzige Tor, das von ihr erhalten ist. Man findet den Mazarelos-Bogen zwichen der Calle del Cardenal-Payá und der Praza de Mazarelos.
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Arco de Mazarelos liegt das Kloster Madres Mercedarias Descalzas. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde von den Barmherzigen Schwestern geführt.
Als Abschluss des Rundganges durch die Altstadt bietet sich der Besuch des Parque de la Alameda an. Dieser im 19. Jahrhundert angelegt Park bietet einen hübschen Ausblick auf die Kathedrale und das historische Santiago.

Cabo Finisterre

Santiago ist für einige Pilger noch nicht das Ende der Reise. Diese ist vielmehr das Cabo Finisterre, das Ende der Welt. Hier ist die letzte Markierung des Jakobsweges zu finden, der Nullstein.