Warum?

Pilgern auf historischen Wegen ist beliebt geworden. Immer mehr Menschen suchen sich ihre Wallfahrtsziel und machen sich auf die Pilgerreise.

Warum heute pilgern?

Menschen im Mittelalter pilgerten nach Santiago de Compostela und zu anderen Pilgerzielen, weil sie auf Vergebung ihrer Sünden oder auf eine wundersame Heilung ihrer Krankheiten hofften. Dieses Ziel der Pilger findet man schon in der Wurzel des Wortes pilgern wieder, die sich im lateinischen peregrinus offenbart. Das Wort bedeutet "fremd" und "in der Fremde sein Heil suchen".
Santiago de Compostela ist in der Gegenwart zum populärsten Pilgerziel Europas geworden. Die Motive der Menschen von heute sind so unterschiedlich, wie die Menschen sind. Hat der eine sportliche Ambitionen, so möchte der andere innere Ruhe finden. Noch ein anderer will sich an der mittelalterlichen Kultur oder der Natur erfreuen. Heute pilgert "jeder" im Sinne von jede gesellschaftliche Schicht. Den größten Anteil an den Pilgern haben die Studenten, aber auch viele Rentner, Arbeiter, leitende Angestellt oder Priester pilgern nach Santiago de Compostela.

Pilgerstatistik

1954 war das erste päpstlich anerkannte Heilige Compostelanische Jahr. Damals waren etwa 700.000 Pilger durch das Domkapitel der Kathedrale von Santiago de Compostela erfasst worden.
1971 betrug die Pilgerzahl 4 Millionen. Darunter gab es 451 traditionelle Pilger, die Santiago zu Fuß, per Fahrrad oder Pferd erreichten; diese wurden in jenem Jahr erstmals statistisch erfasst.
1993 kamen 7 Millionen Pilger nach Santiago. 100.000 davon waren Fußpilger, also solche, die zumindest die letzten 100 Kilometer zu Fuß zurück gelegt hatten.
Im Heiligen Compostelanischen Jahr 2004 wurden 12 Millionen Wallfahrer verzeichnet. Darunter waren 179.944 traditionelle Pilger.

Die größte Anzahl der traditionellen Fußpilger kommt aus Spanien. Aber auch aus Südamerika, Südafrika, Neuseeland, Korea, Japan oder Nordamerika kommen die Pilger auf einem der Jakobswege.

Im Jahr 2007 kamen 55.326 Fußpilger aus Spanien, 13.837 aus Deutschland 10.275 aus Italien und 6982 aus Frankreich.

Unter den traditionellen Pilgern, also denjenigen, die aus eigener Kraft reisen, waren 2007 82 Prozent, 93.953, die Strecke zu Fuß zurück. 17 Prozent von ihnen, 19.702, legten die Pilgerstrecke mit dem Fahrrad zurück und 364 Pilger ritten auf einem Pferd. 7 Rollstuhlfahrer konnten sich ebenfalls zu den traditionellen Pilgern zählen. Und 468 traditionelle Pilger hatten ein Alter von 75 Jahren bereits überschritten.

Im Jahr 2008 pilgerten 125.141 Menschen traditionell nach Santiago.

Motive

Welche Motive geben die Pilger nun selbst für ihre Pilgerfahrt nach Santiago an?
Es sind
die Suche nach Gott,
die Suche nach sich selbst,
die Suche nach einem Zeichen Gottes,
der Wunsch nach Vergebung von Sünden,
der Wunsch nach Heilung von Körper oder Seele,
die spirituelle Energie heiliger Orte spüren zu wollen,
die eigenen Grenzen zu erfahren.

In jedem Fall wissen die Pilger, dass sie ein Abenteuer erwartet. Und sie wissen nicht, wie sie zurückkommen, wenn sie tage- oder wochenlang unterwegs waren.

Ist man ein anderer Mensch, wenn man vom Jakobsweg, von Santiago de Compostela zurückkehrt? Man wandert auf alten Jahrhunderte alten Wegen, kommt an mittelalterlichen Klöstern und Hospizen vorrüber. Man entdeckt gotische und romanische Kathedralen und Kirchen. Man übernachtet mit vielen Gleichgesinnten in Pilgerherbergen. Fühlt man nicht, als sei man in eine historische Zeit zurückversetzt worden? Wird man nicht von einer Magie der Geschichte erfasst? Taucht man nicht ein in eine geheimnisvolle Umgebung? Man hat ein Ziel, jeden Tag: den Weg. Es gilt, Wegstrecken hinter sich zu lassen, sich der Kathedrale von Santiago zu nähern. Jeden Tag erlebt man neue Erkenntnisse, jeden Tag ist man Weg und Wetter ausgeliefert. Jeden Tag spürt man den Körper, besonders aber die Füße. Wie weit wird man gehen können?

100 Kilometer bis Santiago de Compostela

Wer körperlich nicht in der Lage ist, den Jakobsweg aus eigener Kraft zu bewältigen oder zumindest die letzten 100 Kilometer, der hat die Möglichkeit, auf die Angebote von Reiseunternehmen zurückzugreifen. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, täglich lediglich für ein paar Stunden auf dem Jakobsweg zu pilgern, die weitaus größten Strecken aber mit einem Bus zu bewältigen. Man hat zudem die Wahl, ob man sein Gepäck transportieren lassen möchte und man muss nicht in Pilgerherbergen schlafen, sondern kann auf reservierte Unterkünfte zurückgreifen.