Jakobsweg Frankreich: Via Tolosana

Die Via Tolosana wird auch Chemin d'Arles genannt.

Sie führt von Arles über Saint-Gilles, Montpelier, Saint-Guilhem-le-Désert, Castres, Toulouse, L'Isle-Jourdain und Auch nach Col du Somport. Damit ist sie der südlichste Jakobsweg in Frankreich. Umgangssprachlich wird die Via Tolosana auch Pilgerweg mit Gegenverkehr genannt, weil viele Pilger aus Spanien in umgekehrter Richtung zum Grab des Heiligen Petrus nach Rom wandern.

Arles

Arles wartet mit einer romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert auf: Saint-Trophime. Sie ist dem heiligen Trophimus gewidmet. Er war der erste Bischof von Arles. 1178 ließ sich Kaiser Friedrich Barbarossa zum König des Arelat krönen. Aus jener Zeit stammt das Portal der Kathedrale.
Arles ist einer der ältesten Städet Frankreichs. So findet man zwischen den Überbleibseln der Kirchen Saint-Césaire-le-Vieux und Saint-Honorat auf einer einen halben Kilomter messenden Platanenallee antike Steinsarkophage. Es handelt sich um ein bereits in der Antike angelegtes Gräberfeld mit dem Namen Alyscamps direkt an der Römerstrasse Via Aurelia. Die Via Tolosana beginnt an dieser Nekropole, der Alyscamps.

Saint-Gilles-du-Gard

Die Landschaft der Camargue leitet von Arles nach Saint-Gilles. Dort finden die Pilger die Abteikirche von Saint-Gilles, die um 12. Jahrhundert errichtet wurde. Die Kirche gehört zur Benediktinerabtei und beherbergt das Grab des heiligen Ägidius von Saint-Gilles. Die Kirche wartet mit reich verzierten Portalen und einer romanischen Fassade auf.

Montpellier

Die alte Kirche auf dem Platz Jean Jaurès war eine Pilgerkirche. Heute sieht man von der ursprünglichen Notre-Dame-des-Tables aus dem 9. Jahrhundert lediglich die Krypta. Der Rest ist während der französichen Religionskriege zerstört worden. Wer sich jetzt fragt, nach welchem Heiligen die Kirche benannt worden ist, dem sei gesagt, dass der Name auf die Geldwechsler und Händler zurückgeht, die ihre Tische vor dem Eingang der Kirche aufgestellt hatten, um mit den Pilgern Geschäfte zu machen.
Saint-Pierre, eine gotische Kathedrale, die festungsartig gebaut war, kann heute noch besichtigt werden. Die Religionskriege haben sie zum größten Teil unversehrt gelassen.

Saint-Guilhem-le-Désert

Es war Wilhelm von Aquitanien, der im Jahr 804 eine Abtei gegründet hat, um die herum sich der Ort Saint-Guilhem-le-Desert gebildet hat. Wilhelm von Aquitanien beabsichtigte einen Teil des Kreuzes an jener Stelle aufzubewahren, das er von Karl dem Großen erhalten hatte. Von der ursprünglichen Abtei ist heute lediglich die Kirche aus dem 11. Jahrhundert überig geblieben. Saint-Guilhem-le-Désert hat auch eine Schlossruine anzubieten, aus dem 12. Jahrhundert. Sehenswert ist auch der Place de la Liberté, auf dem 150 Jahre alte Platanen Schatten spenden. Von dort aus führen kleine Sträßchen zu den alten Dorfhäusern, die zwischen Gotik und Ranaissance spielen.

Castres

Castres hielt für die Pilger in der Abtei Saint-Benoît aus dem 9. Jahrhundert eine Raststätte zur Verfügung, ebenso wie mit dem Pilgerhospital Saint-Jacques. Auch die Kirche Saint-Jacques aus dem 13. Jahrhundert zog die Pilger an.

Cordes-sur-Ciel

Cordes-sur-Ciel ist eine Kleinstadt im Hügelland des Midi. Als Bastide wurde es im 13. Jahrhundert ins Leben gerufen, und zwar vom Grafen von Toulouse. Als Burgsiedlung war der Ort besonders sicher. Aus diesem Grund rasteten die Pilger im Mittelalter sehr gern dort.
Sehenswert sind auch heute noch die vier Festungsringe. An sich ist die Stadt noch sehr gut erhalten und man findet noch an einigen Gebäuden die Jakobsmuschel. Bis ins 16. Jahrhundert gab es einen blühenden Handel in Cordes-sur-Ciel, hauptsächlich mit Leder und Tuch. Dieses Privileg hatte der Ort seinem Status als Bastide zu verdanken. Seinerzeit gab es ein Pilgerhospiz für die Reisenden nach Santiago de Compostela.

Toulouse

Toulouse findet man in dem Namen der Via Tolosana, was soviel wie Route von Toulouse heißt. Die Basilika Saint-Sernin von Toulouse und der Graf von Toulouse, beide waren Namenspaten dieses französischen Jakobsweges.
Die Basilika Saint-Sernin von Toulouse ist die größte romanische Kirche in Frankreich. Sie wurde aus weißem Marmor gebaut. Als Wallfahrtskirche konzipiert, können viele Menschen in ihr Platz finden. Benannt ist die Kahtedrale nach dem Märtyrer Saint-Sernin, Saturnin, der auch Bischof von Toulouse war. Sein Grab aus dem 18. Jahrhundert befindet sich hinder dem Kirchenchor.
Als moderner Pilger sollte man sich die Porte Miégeville der Basilika sowie das Hospiz Hotel Dieu de Saint-Jacques anschauen. Vor dem Hospiz findet man eine Jakobsstatue.

L'Isle-Jourdain

Der Name der Stadt geht auf Bertrand de L'Isle zurück. Dieser wurde 1050 geboren, nahm an den Kreuzzügen teil und ließ im Heiligen Land seinen Sohn im Jordan taufen. Pilger von heute können am ehemaligen Hospital in der Avenue Lombez vorbeischauen, vor dem eine Jakobusstatue steht.

Auch

Ende des 17. Jahrunderts wurde die Kathedrale von Auch vollendet. Sie war somit einer der letzten in Frankreich errichteten Kahtedralen. Hier begegnet man auch einem echten Musketier, nämlich d'Artagnan, der dem Roman Alexandre Dumas entflohen ist und auf der Treppe zur Kathedrale einen Platz gefunden hat. Die Glasfenster der Kathedrale wurden von Arnaud de Moles gefertigt. Man erkennt auf ihnen Motive des heiligen Jakobus. Außerdem findet sich der Heilige auch als hölzerne Skulptur aus dem 16. Jahrhundert. Die Kirche ist ein Sakralbau, der jenen auf der Île de France gleicht.

Moralaàs

Morlaaàs bietet in seinem Zentrum eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert: Sainte-Foy. Während der Religionskriege wurde ide Kirche im Jahr 1569 stark beschädigt, aber im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut. Das Kirchenportal weist unter anderen eine Szene mit einer Prozession fliegender Enten auf, die zum Himmel steigen. Dies soll ein Sinnbild für die Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela sein bzw. zu ihrem Aufstieg zur ewigen Seligkeit.

Lacommande

In Lacommande findet man eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert. In unmittelbarer Nähe zur Kirche findet man das Pilgerhospital. Lacommande wurde von Gaston IV von Béarn gegründet, und zwar um das Jahr 1100 herum. Er wollte den Pilgern Schutz gegen Überfälle der Sarazenen geben. In Lacommande findet man Grabmale mit Steinscheiben, die auf einem kurzen Fuß stehen. Sie gleichen jenen, die es auf baskischen Friedhöfen gibt. Eine Inschrift ist nicht vorhanden, allenfalls manchmal eine Jahreszahl oder ein Malteserkreuz.

Oloron-Sainte-Marie

Der Ort Oloran-Sainte-Marie war schon in der Antike ein Handelsplatz. Für die Pilger war er eine wichtiges Etappenziel vor dem Aufstieg nach Somport. Die Kirche Sainte-Croix bot ihnen Zuflucht. Sie wurde in spanisch-maurischem Stil mit Kuppel errichtet. Das romanische Portal der Kirche ist mit pyrenäischem Marmor gestaltet.

Col du Somport

Das Col du Somport ist einer der ältesten Pässe über die Pyrenäen, der von Pilgern genutzt wurde. Col du Somport ist die letzte Etappe des Jakobsweges auf französischem Gebiet. Auf 1632 Meter Seehöhe findet man die Reste eines alten Pilgerhosptals mit dem Namen Sainte-Christine de Somport. Es wurde im Jahr 1104 errichtet. Im Codex Calixtinus wird berichtet, dass dieses Hospiz mit dem Hospital Mont-Joux am Großen Sankt Bernhard Pass und dem Hospital von Jerusalem zu den drei wichtigsten Orten für die Pilger auf ihrem jeweiligen Weg gehörte.