Jakobsweg Frankreich: Via Lemovicensis

Der französische Jakobsweg Via Lemovicencis wird auch Voie de Vézelay genannt. Er liegt abseits der üblichen touristischen Pfade.

Er beginnt in Vézelay. Von hier aus hat man die Wahl: entweder wählt man eine südliche Route über Nevers oder eine nörliche Variante über La Charité-sur-Loire und Bourges. Dann geht es gemeinsam weiter nach Limoges, Périgeux, Bazas, Orthez und Saint-Palais.

Vézelay

Die Basilika Sainte-Marie-Madeleine in Vélezay beeindruckt durch ihre Kapitelle der Säulen, die biblische Geschichten erzählen. Man sollte die Basilika unbedingt bei Sonnenlicht besuchen, denn das Spiel der Sonnenstrahlen in der Kirche ist berühmt. Sainte-Marie-Madeleine ist seit dem 11. Jahrhundert selbst Ziel von Wallfahrten, denn es wurde berichtet, dass am Grab der heiligen Magdalena Wunder geschehen wären. Die sterblichen Überreste der Magdalena waren, so Überlieferungen, aus der Provence nach Vézelay gebracht worden.

La Chartité-sur-Loire

Die Kirche Notre-Dame de la Charité wurde als Abteikirche des Priorats der Gemeinschaft von Cluny ab dem Jahr 1059 gebaut. Papst Paschalis II weihte sie im Jahr 1107. Nach der Kirche von Cluny war sie seinerzeit die zweitgrößte Kirche Frankreichs. Sie war 122 Meter lang und konnte 5000 Menschen fassen. In der französischen Revolution ist sie jedoch wie die Mutterkirche in Cluny zerstört worden. Heute sieht man nur noch den Torso, der jedoch von der UNESCO zum Welterbe erklärt worden ist.

Bourges

Bourges wirkt auch noch heute mittelalterlich mit ihren Fachwerkhäusern und Patriziersitzen. Herzog Jean de Berry residierte während des Hunderjährigen Krieges in Bourges. Er ist in der gotischen Kathedrale Saint-Étienne in einem Marmorsarkophag in einer Krypta beigesetzt. Die Kathedrale besticht durch ihre Glasfenster, die ihre volle Pracht im hellen Sonnenlicht zeigen.

Nevers

Nevers ist die erste Stadt nach Vézelay, wenn man die südliche Route der Via Lemovicensis nimmt. Sofort erblickt man die Kahtedrale Saint-Cyr-Sainte-Juliette mit ihrem gewaltigen rechteckigem Turm. Der Kirchenchor ist romanisch, das Langhaus gotisch. Der Turm, der Tour Boyer, wurde im 16. Jahrhundert in den Himmel gebaut.
Nevers und insbesondere das Kloster Espace Bernadette, früher hieß es Saint-Gildard, beherbergt den Leichnam von Bernadette Soubirous. Sie hatte als Mädchen mehrere Marienerscheinungen in Lourdes und diese Wallfahrtstätte weltberühmt gemacht. In späteren Jahre war Bernadette Mitglied des Ordens der Barmherzigen Schwestern in Nevers geworden.
Sehenswert ist auch das Palais Ducal, der Herzogpalast, mit dessen Bau im Jahr 1460 begonnen wurde. Seine Festungstürme geben ihm beinahe das Aussehen einer Burg des Mittelalters. Er gehört zu den wichtigsten Feudalbauten Frankreichs.

Limoges

Limoges ist die Provinzhauptstadt von Limousin. Die Pilger auf der Via Lemovicensis erreiten und erreichen die Stadt über die Brücke Saint-Étienne, die den Fluss Vienne überspannt.Diese Brücke gehört zu den ältesten Bauwerken der gesamten Via Lemovicensis.
Die Kathedrale Saint-Étienne lohnt einen Besuch ebenso wie die Krypta Saint-Martial mit ihren Reliquien. Limoges hat auch Katakomben, die im Mittelalter gebaut wurden, und die man heute besichtigen kann. Die Stadt kann zudem mit einem Amphitheater aus galorömischer Zeit aufwarten. Seinerzeit hieß die Stadt Augustoritum und war Hauptstadt der Lemovicer. Dieser keltische Stamm hatte den Ort bereits vor der römischen Epoche besiedelt. Die Lemovicer waren Namenspate für diese Route des französischen Jakobsweges.

Périgueux

Die Kathedrale des heiligen Frontus beherrscht den Ort Périgueux. Mit ihrem Bau wurde im 12. Jahrhundert begonnen. Sie ist dem maurischen und byzantinischem Stil nachempfunden. Der heilige Frontus wurde in der Kathedrale begraben. Sein Grab wurde jedoch in den Religionskriegen zerstört. Heute gibt es in dem Kreuzgang neben der Kathedrale einen ort der Besinnung auf den Heiligen. Zur Zeit der Römer hieß Périgueux Vesunna. Der Ort war schon von den Kelten besiedelt.

Bazaz

Der Ort Bazaz ist aufgrund der Reliquien von Johannes dem Täufer berühmt, die in der dortigen Kathedrale Saint-Jean-Baptiste zu finden sind. Die Kathedrale hat drei Portale, die die Apostel, die Jungfrau Maria und das jüngste Gericht darstellen. Die Pilger lassen auch noch heute, genau wie zu mittelalterlichen Zeiten, ihren Pilgerstab und ihre Wandertasche für die Pilgerfahrt segnen.

Orthez

Orthez glänzt mit seiner aus dem 13. Jahrhundert stammenden Pilgerbrücke, Pont Vieux genannt. Sehenswert sind die Kirche Saint-Pierre, eine Wehrkirche, sowie das Château Moncade, vovon leider nur noch Ruinen zu sehen sind.

Saint-Palais

Der Name Saint-Palais geht auf Pelagius, einen Märtyrer aus dem 9. Jahrhundert zurück, der volkstümlich aber Saint Palais hieß. Seine Reliquien machten den Ort zum einem Wallfahrtsort. Ursprünglich hieß der Ort allerdings Iriberry. Das ist baskisch und bedeutet Neue Stadt. Hintergrund ist die Neugründung der Stadt im 13. Jahrhundert.
Pilger konnten in verschiedenen Pilgerherbergen und in dem Pilgerhospiz de la Garrigue unterkommen. Das heutige Rathaus von Saint-Palais hat ein Museum, in dem über die Pilgerwege nach Santiago de Compostela informiert wird.
Nächste Station der Via Lemovicencis ist Ostabat, wo sie sich mit zwei anderen französischen Pilgerwegen vereinigt.