Der Pyrenäenweg - Nebenroute zur Via Tolosana

Zur Via Tolosana gab es bereits im Mittelalter einen Nebenweg durch die Pyrenäen.

Die Überquerung der Pyrenäen war im Mittelalter sicher eines der schwierigsten Etappen-Probleme des Jakobsweges nach Santiago. Die Pässe von Roncesvalles und Somport waren zwar gut ausgebaut und deshalb sehr beliebt, aber die Nebenpässe leiteten oft schneller zum Ziel, insbesondere, wenn man sich ortskundigen Führern anschloss, etwa Viehirten. Besonders Pilger aus Katalonien und Roussillon gingen lieber über die Pyrenäenwege. Man konnte auf diese Nebenroute des Jakobsweges von unterschiedlichen Orten stoßen, etwa von Narbonne, Toulouse oder Carcassonne. Die Route führt nach Bétharram, etwa von Saint-Lizier, Mauléon-Barousse, Saint-Bertrand-de-Comminges, L'Escaladieu, Gavarnie und jedenfalls über Lourdes.

Saint-Lizier

Saint-Lizier wurde im Mittelalter auf einem Hügel als Festung errichtet. In ihrer Mitte findet man die im 11. Jahrhundert erbaute romanische Wallfahrtskirche Saint-Lizer. Sie beherbergt beeindruckende Wandmalereien,in der Apsis etwa Jesus auf einem Thron mit seinen Aposteln. Ein Teil der Fresken wurde erst im Jahr 1960 hinter Putz wiederentdeckt. Der Kreuzgang ist rechteckig und die Kaptitelle zeigen unter anderem Adam und Eva.

Saint-Bertrand-de-Comminges

Saint-Bertrand-de-Comminges ist auch der Name eines Städtchens, indem Bertrand de l'Isle im Jahr 1100 mit dem Bau der Kathedrale Sainte-Marie und einem Kloster begann. Er wurde Bischof und nachs einem Tod im Jahr 1123 in der Kirche beigesetzt. Nach Überlieferungen sollen dann einige Wunder geschehen sein. Das war mit der Grund, warum Bischof Bertrand de Cot, später als Papst Clemens V bekannt, die Kathedrale erweitern ließ. Besondere Sehenswürdigkeiten sind das geschnitze Chorgestühl, der romanische Tympanon und die große Orgel. Im Kreuzgang findet man eine Säule, die die vier Evangelisten zeigt.

Mauléon-Barousse

Der Ort liegt im Vallée de la Barousse, durch das zwei kleine Flüsse fließen. Hier liegt die waldreichste Gegend der Pyrenäen. Deshalb zieht sie besonders die Naturliebhaber an. In Mauléon-Barousse mit seinen Steinhäusern findet man ein Schloss, das aus dem 15. Jahrhundert stammt, sowie Ruinen eines Kreuzganges aus dem 16. Jahrhundert.

L'Escaladieu

Auch die Abtei L'Escaladieu sollte man besuchen, wenn man als Pilger einen der Nebenwege in den Pyrenäen geht. Die Abtei wurde 1140 errichtet und war das erste Zisterzienserkloster im Südwesten Frankreichs. Viele Pilger machten einen Abstecher von der Pyrenäenroute zur Station Gottes. Besonders sehenswert in der Abtei ist der Kapitelsaal mit seinen Säulen und dem roten Backstein.

Lourdes

Zu Lourdes braucht eigentlich nicht viel gesagt werden. Es ist einer der meistbesuchtesten Wallfahrtsorte der Welt, seit der Bernadette Soubirous Ende des 19. Jahrhunderts Marie mehrfach erschienen war. Im Jahr 1889 wurde die Rosenkranzbasilika in Lourdes errichtet. Ihr Stil steht unter neobyzantinischen Einflüssen. Im Jahr 1958 errichtete man eine neue Basilika, die mehr als 20.000 Wallfahrern Platz bietet. In Lourdes gibt es auch eine mittelalterliche Burg, in der heute das Volkskundemuseum der Pyrenäen untergebracht ist.

Gavarnie

Gavarnie liegt an einer Alternativstrecke zu Bétharram. Sie wurde von den historischen Pilgern genutzt, weil die dortigen Bewohner sehr hilfsbereit waren. Der Gebirgskessel von Gavarnie ist zugleich Unesco Weltkulturerbe und auch Unesco Weltnaturerbe. Von hier steigt man über den Pyrenäenpass Col de la Bernatoire über das Gebirge. Gavarnie ist ein Beispiel der Völkerverständigung. Schon seit Alters her gewährten sich die Nachbarschaften im dieser Gebirgsgegend gegenseitig Hilfe und Beistand. Noch heute wird ein 600-jähriger Vertrag, der die grenzübergreifende Gemeinschaft regelt, jährlich durch ein Fest erneuert, bei dem die Bewohner sich in alten Dialekten die Freundschaft zusichern.
In Gavarnie ist das Mittelalter lebendig geblieben. Die Priorei des Hospitalierordens findet man noch immer - restauriert.

Bétharram

Highlights des Ortes Bétharram sind die Pilgerbrücke über den Pau. Pilger, die in Richtung Orloron oder Pau wandern, müssen sie überqueren. Der Ort selbst wurde als Bastide im 14. Jahrhundert zum Schutz der Pilger gegründet. In einem Museum, das im ehemaligen Kloster untergebracht ist, kann man Informationen zur lokalen Geschichte erleben.
Kommt man aus Lourdes, so kann man auch die Höhlen von Bétharram besuchen, die man passiert.